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Das Ox-Kochbuch – Rezension

Unter den vegetarischen und veganen Kochbüchern ist das Ox-Kochbuch ein Klassiker. Das Original erscheint bereits in der 7. Auflage, und inzwischen hat es sich zu einer tatsächlichen Reihe entwickelt: Bis zu 5 verschiedene Bände warten auf alle, die mal ein bisschen anders vegan kochen wollen. Ich widme mich aber in meiner heutigen Rezension dem Original Ox-Kochbuch Nummer Eins, denn mit diesem habe ich den Einstieg in die vegane Küche gefunden. Ich stieß im Bücherregal einer Freundin durch Zufall auf dieses Buch, lieh es mir aus, und kaufte es mir am Ende selbst, weil ich so begeistert davon war. Inzwischen hat die Ox-Reihe einen festen Platz in meiner Küche. Es sei erwähnt, dass dieses Buch nicht mit rein veganer Küche lockt, sondern sich darunter auch vegetarische Rezepte befinden. Wer einen „sanften“ Übergang zum veganen Genuss sucht, der kann hier seinen Anfang finden.

Vegan ist cool

Das sagt schon die ganze Aufmachung des Buches. Mich hat der unkonventionelle „Look“ dieses Kochbuchs sofort angesprochen, besonders in einer Zeit, in der „vegan“ noch nicht so geläufig war wie heute und entsprechende Kochbücher eher esoterisch als cool aussahen. Das Ox-Kochbuch trifft hier einen Nerv, weil es bereits von außen zeigt, dass vegetarische und vegane Küche hier vor allem Spaß machen soll. Ich mag besonders die Zeichnungen und das Design von „Ole“, die dem Kochbuch einen ganz einzigartigen Touch geben.

Das Ox-Kochbuch

Das Ox-Kochbuch Bild:Amazon

Für Anfänger und Fortgeschrittene

Vegan kochen ist mit viel Fantasie verbunden – das kann erst einmal einschüchternd sein. Das Ox-Kochbuch versteht es, sogar Anfängern und Anfängerinnen die eventuelle Scheu vor der vegetarischen und veganen Küche zu nehmen. Vor allem wird klar: So schnell verhungert hier keiner. Selbst „Fleischesser“ finden in den Seiten garantiert etwas Ansprechendes, und Einsteigern wird garantiert die Angst vor den ersten vegetarischen oder veganen Gehversuchen genommen.

Der Aufbau des Kochbuchs ist sehr nachvollziehbar und logisch. Auch für die schnelle Rezeptsuche haben die Macher des Ox-Kochbuchs die richtige Taktik gefunden: 4 Symbole werden im ganzen Buch verwendet, um schnelle (Uhr), einfache (E), gruppentaugliche (Mannschaft) oder vegane (Euter) Rezepte zu finden. In diesem System findet man sich super schnell zurecht. Die einfachen Rezepte versprechen nicht zuviel und sind tatsächlich auch für absolute Kochanfänger geeignet. Auch mit wenig oder gar keiner Erfahrung kann man direkt loslegen – vor allem, weil die meisten Rezepte keine ausgefallenen Zutaten verwenden. Aus einigen „Basics“, die die meisten eh immer in der Küche haben, kann man so viele leckere Gerichte zaubern. Alle Koch- und Backtechniken werden außerdem zu Beginn des Buches genau erklärt. Vor allem die einfachen Beschreibungen und Anleitungen machen es für Anfänger leicht, loszukochen, und bieten für Fortgeschrittene eine interessante Abwechslung. Ich kann mir allerdings vorstellen, dass der sehr flapsige Ton nicht jedermanns Sache ist. Wer sich und das Kochen sehr ernst nimmt, wird mit dem Jargon des Ox-Kochbuchs wahrscheinlich nicht glücklich.

Auch für sehr versierte Köche kann das Ox-Kochbuch vielleicht zu „Basic“ sein. Wer gern mit ausgefallenen Zutaten kocht oder mehr Wert auf „Haute Cuisine“ legt, für den ist das Ox-Kochbuch definitiv nicht geeignet. Hier gibt es bessere Kandidaten. Das Ox-Kochbuch bietet zwar, wie bereits gesagt, eine große Vielfalt von Rezepten an, aber das meiste ist sehr bodenständig und deftig.

Vegan kochen abseits von Pseudo-Fleisch

Das Ox-Kochbuch entstand eigentlich aus der vegetarischen Rezept-Seite im Punk- und Hardcore Fanzine „Ox“. Für das Kochbuch wurde das Best-of hieraus zusammen mit Anregungen und Tipps von Bands und Szenegrößen versehen – so entstand eine große Vielfalt von Rezepten. Man merkt, dass hier begeisterte Vegetarier und Veganer am Werk waren, denn die Rezepte sind sehr vielfältig und vor allem abseits von „Pseudo-Fleisch“-Scheußlichkeiten (wie „vegane Schnitzel“). Das Ox-Kochbuch zeigt so auf, dass vegan und vegetarisch kochen mehr ist als nur „ohne Fleisch kochen“.
Zu meinen Favoriten gehört die „Eat no Shit Pizza“, die Farmerpfanne (garantiert ohne Farmer!) und „Alarm im Darm“.

Fordert die eigene Fantasie

Ein kleiner Minuspunkt für manche ist wahrscheinlich das Fehlen von Bildern. Mich hat es beim Buch nicht gestört – ganz so perfekt wie auf den Hochglanzfotos in Kochbüchern sieht das Essen ja am Ende doch nie aus. Außerdem fand ich, dass das Fehlen einer „Vorgabe“ dazu animierte, sich selbst Gedanken über die Präsentation zu machen (wenn es denn mal etwas schicker sein sollte). Im Gegenzug zu den fehlenden Bildern gibt es dafür rockige Musiktipps zu jedem Rezept – mal eine etwas andere Idee. Wer nicht auf Punkrock und Hardcore steht, kann sicherlich die angegebene Musik auch durch eine andere ersetzen – aber ich fand die Idee des Kochens mit Musik sehr reizvoll, da es definitiv den Spaßfaktor erhöht.

Fazit

Das Ox-Kochbuch ist ein bisschen wie das Lieblings-T-Shirt – etwas, das man immer im Haus hat, das alltagstauglich ist und Spaß macht. Wenn es um ein edles Dinner geht, wahrscheinlich nicht die beste Wahl, aber definitiv das Richtige für „comfort food“. Es kommt also sehr stark auf die Zielgruppe an. Für einen Fußball- oder Filmabend mit Freunden, ein deftiges Abendessen nach einem langen Arbeitstag, ein reichhaltiges Sonntagsbrunch nach einem Cocktailabend – für all das ist das Ox-Kochbuch perfekt geeignet. Man kann viel und lecker kochen, ohne sich ein Bein auszureißen oder in fünf verschiedene Läden rennen zu müssen. Auch wenn’s zum Mittagessen mal wirklich schnell gehen muss, bietet das Kochbuch die richtigen Rezepte.

Aber wenn ich etwas wirklich Ausgefallenes oder Edles kochen will – zum Beispiel für einen romantischen Abend – dann greife ich doch zu einem anderen Buch oder wandle die Rezepte noch selbst ein wenig ab. Hier lässt das Ox-Kochbuch viel Spielraum. Wer ein rein veganes Kochbuch will, sollte zu einem anderen Band der Reihe greifen – zum Beispiel „Kochen ohne Knochen“ (Band 5). Andererseits lassen sich auch die vegetarischen Gerichte im Kochbuch gerade aufgrund ihrer grundlegenden Zutaten bei Bedarf einfach abwandeln. Hier gibt es im Kochbuch selbst auch Tipps dazu.

Alles in allem ist und bleibt das Ox-Kochbuch eines meiner Lieblingskochbücher, und es hat mir im Laufe der Jahre immer wieder geholfen, leckere Sachen auf den Tisch zu bringen und auch Freunde davon zu überzeugen, dass vegetarische und vegane Küche bunt, vielfältig und schmackhaft ist.


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