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No need for meat – Rezension

Die vegane Küche boomt und passende Kochbücher werden am Fließband produziert. Schließlich will jeder Verlag etwas abhaben vom Umsatzkuchen. Die Zahl der veganen Kochbücher ist inzwischen riesig und kaum zu überschauen.

Jedes neue Buch erregt daher zunächst Argwohn, vor allem wenn der Titel in englischer Sprache erscheint, so geschehen mit dem Buch „NO NEED FOR MEAT“ von Andreas Bär Läsker aus dem Trias Verlag. Zugeben, auf englisch reimt sich die Aussage „Kein Grund, Fleisch zu essen“, schlicht besser. Aber mit intensivem brainstorming (sorry!) wäre vielleicht auch etwas anderes herausgekommen. Oder man hätte den Untertitel genommen „Vegan ist, wenn man trotzdem lacht“. Aber egal. Solcherlei Mäkeleien sind schnell vergessen, wenn man sich in dieses Buch vertieft.

Der Stil von Läsker, seines Zeichens zum Glück kein ausgewiesener Koch und kein Weltverbesserer, der seine Überzeugung anderen schamfrei ins Gesicht drückt, sondern DJ, Manager der „Fantastischen Vier“, Fotograf, ach ja und bei DSDS war er auch mal – und jetzt eben Autor – ist ungewöhnlich erfrischend, lässig, schnoddrig, sehr direkt und alles in allem ein Novum für den Trias Verlag. Chapeau!

Amüsiert hüpft der Leser von Zeile zu Zeile, von Absatz zu Absatz, nicht selten unterbrochen vom eigenen, herzhaften Gelächter. Vor allem, wenn Läsker aus dem heimischen sächsisch-schwäbischen Nähkästchen plaudert und von den eher rudimentären Kochkünsten seiner Mutter erzählt. Oder sich den Vater vornimmt, der lieber verhungert wäre, als sich ein Brot zu schmieren. Damit sein Vater überlebte, bekochte der damals etwa 10-Jährige Andreas seinen Vater mit Spiegelei, Toastbrot und Salat.

Es hätte also durchaus ein Koch aus ihm werden können. Wurde es aber nicht. Er zog es vor, ein interessantes Leben zu führen, das von vielen Veränderungen geprägt war und sicherlich noch sein wird. Und dazu gehört auch, dass er vor vier Jahren Vegetarier wurde, und vor zwei Jahren sich dem Veganismus verschrieb. Läsker macht daraus keine Heilslehre, kein Dogma. Aber keine Frage: Er will überzeugen, zu einer fleischlosen Lebensweise anregen. Das ist legitim und verständlich, denn sonst hätte er dieses Buches nicht geschrieben. Und darin schildert er schlicht und ergreifend die Gedanken, die er sich irgendwann einmal um seine Gesundheit machte, die bekanntermaßen eng mit der Ernährung zusammenhängt, um Massentierhaltung, um fast food, um die eigene Bequemlichkeit, und die Tatsache, daß 160 Kilo bei 1.93 Meter vielleicht doch zuviel sein könnten. Ein guter Freund brachte ihn auf den veganen Pfad und den geht er seit gut zwei Jahren unbeirrt und voller Überzeugung.

No need for meat

No need for meat Quelle:Amazon

Mit der ihm eigenen sympathischen Art beschreibt Läsker, wie er die fleischlose Welt entdeckte und schätzen lernte. Wie er begriff, dass das Wort Lebens-Mittel (um die Wichtigkeit zu betonen, möchte er gerne den Bindestrich in die deutscher Orthografie einführen!) etwas mit Leben zu tun hat. Und er entlarvt all jene, die behaupten, zum Kochen keine Zeit und für gesunde Lebensmittel kein Geld zu haben. „Merkwürdigerweise habe ich noch nie erlebt, dass jemand einen Kredit aufgenommen hat, um sich ein paar Jahre gut und gesund zu ernähren. Das würde aber deutlich mehr Sinn machen, als sich einen sauteuren Urlaub zu leisten, und dafür das ganze Jahr über nur entsetzlich minderwertiges, bis nahezu giftiges Zeug zu sich zu nehmen, nur weil es so schön billig ist“, mokiert sich Bär nicht ganz zu unrecht. Er erklärt die Sache mit der Zeit, und erläutert den Unterschied zwischen vermeiden und verzichten und dass das gar nicht so schlimm ist. Und wenn man seinen heiteren Erzählungen folgt, erkennt man schnell, dass verganes Leben nicht Verzicht bedeutet, sondern Veränderung. Und zwar Veränderung zum Leichteren hin. Die Küche verwandelt sich aus einem Ort der Hektik in eine Oase der Gelassenheit und Ruhe. Kein schnelles Verarbeiten mehr von verderblichen Lebensmitteln wie Wurst und Fleisch. Nein, hier geht es um das sinnliche Vergnügen, mit frischer, wohlduftender Pflanzenkost zu arbeiten. Natürlich, die verdirbt auch, aber nicht annähernd so schnell, wie Nahrungsmittel fleischlicher Herkunft.

Andreas Bär Läsker verknüpft seine Metarmorphose zum Veganer mit seiner sehr persönlichen Geschichte. Er, der seit fast 26 Jahren Mananger der „Fantastischen Vier“ ist, schlug sich jahrelang mit dem schlechten Gewissen herum bezüglich unserer Massentierhaltung. „Diese Tiere, deren Fleisch zu Lebensmitteln verarbeitet wird, werden unter solch grauenhaften Umständen gehalten, gequält und getötet, dass diese Zustände nur mit Filmen über dieses Thema dokumentiert werden können, verbal ist das kaum auszudrücken, dazu fehlt es selbst der so ausdrucksstarken und gut kombinierbaren deutschen Sprache schlichtweg am notwendigen, extrem drastischen Vokabular,“ schreibt Läsker in seinem Buch. „Dazu kommt, dass diese Menge an Antibiotika und Hormonen, die gegeben werden muss, damit diese armen Wesen diese Haltungsbedingungen überhaupt bis zu ihrem berechneten Todestag überleben, jedes vertretbare Maß tausendfach überschreitet.“ Dass aus ihm tatsächlich Veganer wurde, hat er, eigenem Bekunden nach, dem Bandmitglied Thomas D. zu verdanken, der sich schon seit Jahre fleischlos ernährt. „Wenn man so will, ist er der Urvater meines schlechten Gewissens, was das Thema angeht,“ gesteht Bär in seinem Buch.

Veganer werden oft mit der Frage konfrontiert: „Was dürft ihr denn überhaupt noch essen?“ Läsker gibt ehrlich zu, dass er sich diese Frage Jahr um Jahr auch gestellt hat, um sich vor einer Ernährungsumstellung zu drücken. Heute formuliert er es ganz salomonisch: „ In dem Moment, in dem Sie sich zu einer pflanzlichen Ernährung entschlossen haben, verzichten Sie nicht auf Fleisch, Milch und Eier. Sie vermeiden sie. Weil Sie es wollen. Niemand hat Sie dazu gezwungen, niemand befiehlt es Ihnen. Und diese Entscheidung ist nicht nur gut für Sie, sondern für uns alle, unseren Planeten und für die Tiere das Beste. Wenn das keine Motivation ist ;-).“

Läskers Buch ist höchst vergnüglich zu lesen. Man lernt, ohne belehrt zu werden. Praktisch ist er auch noch, wenn er aufzählt, was in eine vegane Küche an Ausrüstung und Lebens-Mitteln gehört. Und er beweist eins ums andere Mal, dass der Veganer ein Mensch ist, der mit dem Tierschutz ernst macht. Und dass das gar nicht so schwierig ist und man ungeheuren Spaß am Kochen und Essen haben kann. Und neue Lebensfreude findet. Weil man als Veganer unbeschwerter, nicht nur von überflüssigen Pfunden erleichtert, sondern vor allem von seinem schlechten Gewissen befreit, durchs Leben gehen kann.

Ach ja, Rezepte gibt es natürlich auch. Es sind so um die 60 und nicht immer ganz leicht zu finden, weil sie inmitten der unterhaltsamen Textes eingebettet sind und man sie fast überliest, weil das Erzählte doch so fesselt. Doch sie sind vorhanden: Ausführlich erklärt und fotografisch ansprechend festgehalten zwischen den Kapiteln, die sich mit unserer Nahrungsaufnahme wie sie ist, und wie sie doch besser sein sollte, beschäftigt. Und nicht nur beim Kurkuma-Blumenkohl-Gröstl mit Spinat – wobei der Begriff Gröstl noch zu klären wäre (der Leser vermutet irgendetwas mit Kartoffeln) – beim Pilzragout mit Kartoffelknödeln oder beim Walnuss-Brot-Salat mit Spargelduell und Trüffelkartoffeln, läuft das Wasser im Mund zusammen. Chili sin Carne, Feldsalat mit Pilzen und Kartoffelsalat gehören zu den eher bodenständigen Rezepten. Vielleicht hat er sich als Erst-Autor und Erst-Koch noch nicht an anspruchsvollere und phantasievollere Angebote gewagt. Was nicht ist kann ja noch werden. Trotzdem ist der Gang in die Küche kaum zu vermeiden, wenn man sich durchs Läskers Rezeptteil gelesen hat.

Ein wirklich empfehlenswertes Buch, das sich erfreulicherweise in keine Schublade stecken lässt.

Bleibt nur noch zu hoffen, dass der Bär nicht als Fernsehkoch endet…


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