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Vor- und Nachteile veganer Produktneuheiten

Der vegane Trend findet immer mehr Anhänger. Während sich das auf der einen Seite auf die Nachfrage nach Obst und Gemüse auswirkt, steigt insbesondere der Bedarf an proteinreichen Lebensmitteln. Dadurch können Milch und Milchprodukte aber auch Eier, Fisch, Wurst und Fleisch ausgetauscht werden. Das haben auch große Konzerne – allen voran Fleischproduzenten – erkannt, so dass es noch nie zuvor ein so großes Angebot an veganem Aufschnitt, Käsealternativen und insbesondere Fleischersatzprodukten gab. Gerade hat der Europäische Gerichtshof entschieden, dass die Begriffe Milch, Joghurt, Butter, Rahm, Sahne und Käse nur verwendet werden dürfen, wenn es sich um das `tierische‘ Original handelt. Folgender Beitrag gibt einen Überblick über neue pflanzliche Produkte für vegan lebende Personen und geht auch auf kritische Aspekte ein.

Ein steigendes Sortiment an Wurstalternativen

Auch wenn viele es nicht nachvollziehen können, warum sich Veganer für Produkte in Würstchen- oder Steakform interessieren, stiegt das Angebot im hohen Tempo an. Das liegt insbesondere an der Tatsache, dass Personen, die früher Fleisch gegessen haben, den aromatischen Geschmack vermissen, aber sich klar gegen Tierquälerei positionieren.
Von dem klassischen Wiener über Bratwürstchen bis hin zu Weißwürstchen gibt es mittlerweile ein pflanzliches Pendant. Gleiches gilt für einen veganen Ersatz für Leberwurst, Salami oder Fleischwurst. Sogar pikant schmeckende Merquez, Sonntagsbraten, Teewurst oder Chorizo gibt es in einer rein pflanzlichen Interpretation. Einige Produkte kommen dem Original geschmacklich und in puncto Konsistenz sehr nahe, so dass sie auch von Fleischliebhabern angenommen werden.

Pro und Contra von Fleischersatzprodukten

Die Pluspunkte von veganer Wurst und Co. liegen klar auf der Hand, denn wer öfter oder ausschließlich auf Schinken, Mortadella oder Leberwurst verzichtet, unterstützt direkt denn Tierschutz. In der Summe kann dies einen enormen Schub ausrichten, so dass es jeder einzelne in der Hand hat bzw. mitbestimmt, ob Tiere für den menschlichen Genuss sterben müssen. Natürlich liegt der Fokus der Fleischindustrie – die mittlerweile im großen Rahmen pflanzliche Alternativen anbietet – auf kommerziellen Aspekten. Diese Unternehmen, die sonst auf Massentierhaltung setzen, überschlagen sich derzeitig gegenseitig und erweitern ihr pflanzliches Repertoire nahezu im Minutentakt. Während viele Veganer und Vegetarier diese Produkte meiden, da letztendlich die äußerst fragwürdigen Fleischproduzenten profitieren, werden vegetarische Alternativen so einem breiten Konsumentenkreis greifbar gemacht.

Vegan

Vegan ©iStockphoto/minoandriani

Noch vor ein paar Jahren gab es veganen Aufschnitt, Tofuwürstchen und Co. fast ausschließlich im Bio-Markt. Mittlerweile besitzt fast jeder Discounter und Supermarkt entsprechende Angebote, so dass sie auch im Einkaufswagen von Personen landen, die noch nie einen Bioladen von Innen gesehen haben. Da einige Produkte dem ‚tierischen‘ Original geschmacklich und in der Konsistenz ähneln, landet auch immer häufiger Weizen- oder Soja-Aufschnitt bei solchen Verbrauchern auf dem Brot, die sonst nicht über moralische Aspekte der Tierhaltung nachdenken. Da viele dieser Angebote leider noch mit Ei gebunden werden, sind sie allerdings nur im Rahmen einer vegetarischen Ernährung geeignet. Aber auch diesbezüglich lässt sich bereits seit einiger Zeit erkennen, dass die Konzerne – für einen größeren Absatz -, auf eine vegane Rezeptur umstellen. Das wird gerade Tierfreunde freuen, denn die Industrie rund ums Ei gehört zu den bedenklichsten Praktiken überhaupt und erklärt, warum es vielen Personen nicht mehr reicht, sich nur vegetarisch zu ernähren.

Weitere Vor- und Nachteile von pflanzlichen Fertigprodukten

Viele Konsumenten assoziieren ‚vegan‘ automatisch mit gesund, aber leider lässt sich diese Verbindung nicht unterschreiben. Genau wie in klassischer Wurst können sich auch hier zahlreiche Zusatzstoffe wie Geschmacksverstärker und Konservierungsstoffe tummeln. Wer auf Nummer sicher gehen möchte, favorisiert Bio-Ware, wobei auch das kein Garant ist, dass diese Angebote frei bzw. arm von Zucker, Salz und Fetten sind. Entsprechend ist es beim Kauf wichtig, sich die Zutatenliste und die Nährstoffangaben anzuschauen. Im Verhältnis mit herkömmlicher Ware fällt zusätzlich auf, dass das Siegel ‚vegan‘ häufig automatisch dazu führt, den Preis ordentlich zu erhöhen. Natürlich ist auch dieser Aspekt dem veganen Boom zuzuschreiben, denn Anhänger von Trendfood sind bereit, mehr zu zahlen. Hier sollte jeder Verbraucher reflektieren, inwieweit der Preis fair ist. Wenn allerdings veganer Aufschnitt doppelt oder sogar mehr als dreifach so teuer wie ein herkömmlicher Schinken ist, kommt die Frage auf, unter welchen Bedingungen die Schweine leben müssen. Dieser Aspekt des Tierwohls wird vor allem beim Vergleich von Geflügel aus Massentierhaltung oder aus ökologischer Aufzucht deutlich, der leider nicht nur Schlimmes vermuten lässt. Als Fazit lässt sich festhalten, dass es ein erfreulicher Trend ist, dass immer öfter vegane oder vegetarische Wurst- und Fleischalternativen auf dem Teller landen. Dennoch sollte jeder einzelne Verbraucher genau auf die Verpackung schauen und rein pflanzliche Angebote ohne Ei favorisieren.

Neue vegane Joghurt-und Quark-Alternativen

Bisher gab es als Alternative zu Joghurt aus Kuhmilch nur Produkte auf Soja-Basis. Vegane Personen, die Soja entweder nicht vertragen oder den Geschmack nicht schätzen, dürfen sich über Produktneuheiten in diesem Segment freuen. Momentan gibt es noch ein recht kleines Angebot an Kokos-‚Joghurt‘, aber vermutlich wird sich auch hier einiges in den nächsten Jahren bewegen. Denn nicht nur Soja-Unverträglichkeiten schließen den Verzehr aus, sondern es gibt auch medikamentöse Interaktionen mit Tofu und Co. Diesbezüglich gibt es beispielsweise Wechselwirkungen mit Schilddrüsen-Medikamenten. Und nicht zuletzt wird der konventionelle – nicht der ökologische – Soja-Anbau häufig mit bedenklicher Gentechnik assoziiert.

Dieser neue rein pflanzliche Joghurt, der insbesondere im Bio-Laden erhältlich ist, besteht aus Kokosnussmilch, die mit pflanzlichen Joghurtkulturen fermentiert wird und je nach Sorte mit Tapiokastärke, Mais- und Kartoffelstärke oder mit Pektin gebunden bzw. angedickt wird. Einige Sorten basieren zusätzlich auf Kokosnusswasser. Wie herkömmlicher Joghurt auch, kann der Kokos-Joghurt nach Belieben lieblich mit Obst wie Beeren verfeinert oder herzhaft mit Knoblauch und Kräutern als Dip zu Tofu, Saitan, Gemüse-Spießen oder zu gebackenen Kartoffeln gereicht werden. Darüber hinaus gibt es auch Joghurt-Alternativen auf Basis von Lupineneiweiß, der mit weiteren Zutaten wie Kokosfett, Stärke und Pektin daherkommt. Ebenfalls noch nicht so lange erhältlich ist Quark auf Basis von Soja, der in purer Variante nach Wunsch als Dessert oder à la veganer Kräuter-Quark verfeinert werden kann. Zusätzlich gibt es bereits fertige Produkte, die aus Soja-Quark und Früchten bestehen und bereits gesüßt sind. Aus der puren Sorte kann beispielsweise auch ein pflanzlicher Käsekuchen gebacken werden.

Ein neues Sortiment an pflanzlichem Käse, Streichfett & Co.

Während das Angebot an veganen Käsealternativen noch vor einiger Zeit sehr übersichtlich war, gibt es mittlerweile zahlreiche Produkte. Von Streukäse`‘ zum Gratinieren über ‚Mozzarella‘ bis hin zu verschiedenen ‚Schnittkäsesorten‘ ist für jeden Gusto und Zubereitungswunsch der passende Käseersatz erhältlich. Im Gegensatz zu Fleischersatzprodukten, die fast ausschließlich aus Soja oder Weizen – selten aus Lupineneiweiß – hergestellt werden, gibt es bei pflanzlichen Käsealternativen sehr unterschiedliche Rezepturen. Seit einiger Zeit werden auch rohvegane Camembertalternativen aus Chashewkernen angeboten.

Als Ersatz für Butter greifen viele auf Margarine zurück, wobei die gehärteten Fette aus ernährungsphysiologischer Sicht nicht empfehlenswert sind. Gleiches gilt für vegane Streichfette, die der Konsistenz und dem Aussahen von Butter zwar ähneln, allerdings häufig Palmöl enthalten. Letzteres ist aus umweltrelevanten Gesichtspunkten zu meiden. Entsprechend besteht in dieser Kategorie Nachholbedarf und das Angebot an Produkten mit weniger gesättigtem Fett als Butter und einer Rezeptur ohne Palmöl ist im Vormarsch. Während auf der einen Seite immer mehr Milchalternativen – von der Macadamia-‚Milch‘ über Haferdrink bis hin zu Cashew-‚Milch‘ – und Sahneersatz auf Mandelbasis und Co. erhältlich sind, gibt es seit Kurzem zusätzlich eine rein pflanzliche Alternative zu saurer Sahne bzw. Crème fraîche eines bekannten Konzerns. Diese Kochcreme ist in vielen Supermärkten in der Kühltheke zu finden.