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Hackfleischbällchen bei Ikea bald auch vegan

Der vegane Boom hält an und auch IKEA bietet seine Hackfleischbällchen nun in einer veganen Version an. Er hat sich längst in der breiten Bevölkerung etabliert. Immer mehr Menschen – vor allem junge Leute – essen vegan und leben auch vegan. Der Veganismus ist allerdings nicht nur eine Ernährungsphilosophie, wie mancher meint. Eigentlich geht es darum, durch eine vegane Lebenshaltung keinerlei Tierprodukte oder aus Tierprodukten hergestellten Gegenstände mehr in sein Leben zu lassen. Nicht jeder Veganer geht den Weg so konsequent mit. Viele Menschen belassen es beim Teilzeitveganismus oder essen nur gerne öfter mal vegan. Der Weg zum Veganer verläuft anfangs nicht immer geradlinig. Mit gesteigerten Bewusstsein, entsprechenden Versorgungsmöglichkeiten und leckeren Rezepten wird er aber immer konsequenter beschritten. Wenn auf dem MFA-Blog kolportiert wird, dass das schwedische Möbelhaus IKEA nun auch vegan wird, ist das nur die halbe Wahrheit. Fakt ist, dass es ab April die berühmten „Köttbullar“ in den IKEA Restaurants auch in einer fleischlosen Variante geben wird. Man kommt damit vegan lebenden Menschen wenigstens auf der Ernährungsebene entgegen.

Köttbullar

Köttbullar ©iStockphoto/OlgaMiltsova

Hackfleischbällchen, lieber vegan als vegetarisch
Bereits 2014 hatte IKEA seinen ersten Versuch gestartet, die schwedischen Hackfleischbällchen auch als vegetarische Version einzuführen. Das hatte die Veganer auf den Plan gerufen. Sie forderten, dass die Mahlzeit komplett vegan sein müsse, also auch keine Sahnesoße, keine Eier oder andere mit Tierprodukten hergestellten Zutaten umfassen dürfe. Man sah nicht ein, warum IKEA nur den Vegetariern entgegenkam. Sogar die Tierrechtsgruppe PETA hatte sich eingemischt – mit Erfolg. Vegetarische Hackfleischbällchen genügen den meisten Veganern nicht. Für einen überzeugten Veganer müssen die fleischlosen Mini-Klopse völlig tierproduktfrei sein. In Verhandlungen hinter den Kulissen sorgten PETA-Aktivisten dafür, dass bei IKEA das Verständnis für die vegane Lebenshaltung gestärkt wurde. In einer Unterschriftenaktion, die PETA initiiert hatte, unterstützten über 25.000 PETA-Mitglieder den IKEA-Vorstand durch ihre Unterschrift beim Umdenken. Der Möbelriese wurde aufgefordert, mit seinem fleischlosen Stammgericht nicht nur Vegetarier anzusprechen, sondern die wachsende vegane Fraktion ebenso zu berücksichtigen. Die damit erreichbare und zufriedengestellte Kundschaft wäre dadurch ungleich größer.

Engagierter Einsatz lohnt sich
Die Überzeugungsarbeit der PETA-Anhänger hat sich gelohnt. Im April 2015 werden die nun veganen Köttbullar erstmals in allen IKEA-Filialen mit Restaurant zu probieren sein. Zu einem späteren Zeitpunkt soll es den IKEA-Kunden auch möglich sein, die vegane Köttbullar-Version verpackt zu kaufen und für den späteren Verzehr mit nach Hause zu nehmen. Der vegane Trend hat durch diesen Coup buchstäblich neue Nahrung erhalten. Sogar die amerikanische „Huffington Post“ berichtete über den kulinarischen Siegeszug der PETA-Aktivisten. Es war vor allem die viel beachtete Online-Petition der Organisation, die der Sache den letzten Schub gegeben hat. Außerdem zählte für das schwedische Unternehmen das Argument, Veganer und Vegetarier gleichermaßen zu berücksichtigen. Immerhin sind viele IKEA-Kunden junge Leute – und die Zahl der Veganer unter diesen ist hoch. IKEA kann sich nun rühmen, viele Tiere vor dem Tod zu bewahren und Kundenwünsche wichtig zu nehmen. Allerdings sind es aus Sicht vieler konsequenter Veganer sicher nicht genug vegane Signale, solange Ledersofas angeboten werden oder irgendwo Schafwolle als Füllung oder Bezug verwendet wird. Hier wird ersichtlich, dass Ikea eben nicht vegan wird, sondern nur bei seinem berühmtesten Restaurantgericht neue Wege geht. Das allerdings ist bemerkenswert genug.

Ob’s jedem schmecken wird?
Immer mehr Betriebe der Großgastronomie versuchen sich daran, vegane Rezepte in ihre Restaurantküchen aufzunehmen – mit unterschiedlichem Erfolg. Veganes Essen ist anfangs eine Herausforderung für jene, die dem veganen Gedanken nicht folgen. Zwar möchten immer mehr Menschen gerne weniger Fleisch essen, aber die angebotenen Ersatzprodukte behagen ihnen im Geschmack nicht. Oft werden auch das fehlende „Mouth Feeling“ oder die Überwürzung der fleischlosen Ersatzprodukte bemängelt. Vor allem Hackfleisch-Ersatzprodukte schneiden hier nicht besonders gut ab. Ob IKEAS vegane Köttbullar beim IKEA-Publikum geschmacklich ankommen, darf man daher gespannt abwarten. Andererseits darf man aber annehmen, dass der Konzern nach den endlosen Debatten um dieses Thema nicht riskieren wird, seinen veganen Versuch durch ein minderwertiges Produkt mit mangelndem kulinarischen Genusswert zunichtezumachen. Heutzutage gibt es schließlich genügend Hersteller, die schmackhafte vegane Fleischersatzprodukte mit dem richtigen „Mouth Feeling“ anbieten. Im Übrigen übt der vegane Trend immer mehr Druck auf die Hersteller aus. Diese sind herausgefordert, die fleischlosen Ersatz-Produkte auch genießbar für jene Konsumenten zu machen, die nur gelegentlich auf Fleisch verzichten möchten. Letzten Endes kann nur eine wirklich schmackhafte Alternative einen leidenschaftlichen Fleischesser davon überzeugen, dass gelegentlicher Fleischverzicht gesund ist und auch aus wirtschaftlichen Erwägungen Sinn macht.

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